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Der Engel in Obertal

Veröffentlicht am 13.09.2020

Im Schwarzwald

Engel gibt es sicher auch in Obertal nicht, aber ein Hotel, das sich ihrer Hilfe wohl im Irdischen versichern möchte. Verstärkend aber passend kommt leider ein recht konservativer Zug dazu, man findet morgens eine "Welt" vor seiner Zimmertür. Zum Glück habe ich keinen Jesus in unserem gefunden... Die Versicherung der konservativen Sicht und der inneren der Engel mag wohl von der äußeren Aussicht etwas ablenken oder Milde stimmen, wer dafür, für die Engel, empfänglich ist.

Was einem sofort auffällt, als wir unser Zimmer betraten, war die Aussicht auf ein paar schmucklose Holzhäuser, sicher dafür "bio", die uns immerhin den Anblick des Parkplatzes ersparten, bzw. diesen begrenzten. Dafür konnte sich das Auge aus dem 1. Stock am Bauzaun mit Waldmotiv delektieren; weniger an den verstreuten halbnackten Körpern auf der Wiese davor. Ganz unklar wer sich so etwas und warum ausdenkt?! Diese Chalets kosten noch ordentlich mehr, so ab 500 können Sie sich an und in ihrem eigenen Holz-Häuschen, freilich innen voll designend, erfreuen; Blick dann gerne in unser Zimmer gegenüber hinein oder auf die Straße oder das Nachbarhäuschen in wenigen Metern Abstand oder eben himmelwärts.

Aber nicht deswegen rate ich ab, richten doch in diesen Zeiten die Menschen ihre Blicke ohnehin mehr nach innen, weil außen wenig Erfreuliches geboten wird.

Abraten möchte ich wegen der Blockabfertigung: Sie können entweder um 18 Uhr Abendessen, dann sollte das Programm (5-6 Gänge) aber in gut anderthalb Stunden bewältigt sein, oder, wenn man wie unsereiner open-end liebt, dann ab bzw. um 20 Uhr erscheinen. Da die Rücksichtnahme auch in der besserverdienenden Schicht zu wünschen übrig lässt, kann aber auch die gewünschte Erscheinungszeit leicht in Wartezeit umschlagen. So schafften wir es am ersten Abend immerhin um 21 Uhr zum ersten Gang. Einen festen Tisch schafften wir nicht, also am Frühstück, entweder um 8 Uhr oder um 9:45, wurden wir wieder woanders platziert. Schafft man es um halb 9 zu erscheinen, ist das etwas Stress, aber wir haben es geschafft, rechtzeitig unseren Tisch zu räumen; gemütlich würde ich das aber nicht nennen.

Andere Hotels erlauben einem den Zugang zum Buffet mit Handschuhen und Zangen; das ist gewöhnungsbedürftig, aber doch machbar; hat den großen Vorteil, dass man sein Müsli selber komponieren kann. Schweigen wir vom Brot schneiden, das im Hotel vom Personal übernommen wurde, wie alle anderen Gaben in den Brotkorb; auch die offene Marmelade! Nicht jeder ist fähig Brot zu schneiden, aber ich liebe dicke Scheiben. Und besser das Brot großzügig schneiden als in den Finger. Man schaut freilich von etwas Entfernung auf die Frühstücksgaben und mag sich leicht in der Brotsorte täuschen. Das Personal an diesen Stationen hat ordentlich Stress; wir haben Mitleid, ich besonders, und verzichte vorsichtshalber auf mein Müsli. Denn wie soll ich dessen ideale Zusammensetzung durch Maske und Abstand erklären? Das hätte zu einem deutlichen Stau geführt und das nicht korrigierbare Ergebnis wäre nicht unbedingt optimal gewesen. Natürlich ist das Jammern auf gut bezahltem Niveau. Und besser als in einem anderen Hotel in der Umgebung (Baiersbronn), wo morgens ein Gewusel herrscht, das jedem Ameisenhaufen Ehre macht. Die Porsches und SUVs auf deren Parkplätzen verraten, dass die Leute es wohl so wollen, da sie sich auch anderes leisten könnten. Abstand wird nur nach Unten gehalten.

Essen war in unserem Hotel im großen Ganzen in Ordnung, manchmal besser manchmal etwas lau (Salat). Leider orientieren sich bessere Hotels auch an der Gourmetküche, was die Spritzer von irgendwas auf dem Teller signalisieren, statt mit guter Soße in genügender Menge den Teller - nicht beim Wiener Schnitzel - zu fluten usw. Aber alles will nach Oben.

In unserer Suite gab es eine Lampe, die in jener Mode ist, dass es aussieht, als wäre sie halber in der Wand. Nicht ganz außen, aber auch nicht ganz innen. Was verrät uns das?

Lassen wir Kleinigkeiten beiseite, wie, dass es einen erschreckt, wenn man nach einer Wanderung seinen Zimmerschlüssel nicht mehr bekommt, weil ein freundlicher Mensch hinter einer Scheibe den Namen nicht mehr findet. "Wollten Sie nicht heute abreisen?" Das verrät gewisse organisatorische Unzulänglichkeiten, die freilich auch zu einem seinen Vorteil ausschlagen können: Rechnung... Freilich sollte man hellwach sein, da die Richtung, die diese Mängel suchen, nicht immer in unserem Sinne sind.

Wenn ich mir abends dann in der "Spätschicht" unseren Speise-Saal ansehe, frage ich mich, wie eng muss es da zugehen, wenn alle wieder nach Belieben speisen dürfen?

Den Wellness-Bereich habe ich gemieden, es gab aber einen (kalten) Naturteich, der die Dame entzückte. Vor dem Eingang in den Feuchtbetrieb stand eine mannshohe griechische Figur, unklar was der vorstellte, er hatte aber ein blaues Handtuch um den Arm. Als wir das zweite Mal an ihm vorbeikamen, war das Handtuch um den Bauch geschlungen. Des nachts freilich entdeckte ich, dass ihm ein mitleidiger Hotelgast dieses Handtuch über den Kopf geworfen hatte.

 

Nun so richtig empfehlen, kann ich das Hotel nicht.

 

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