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"Elephant" in Weimar

Veröffentlicht am 06.01.2021

Ein Hotel u.a.m.

Noch was zur Erinnerung in unseligen Zeiten (Besuch Ende 2019)

 

Der Elefant hat es nicht leicht, vor allem nicht im Porzellanladen. Aber: Unser Elephant ist ein historisches Hotel in Weimar, eine erste Adresse vor Ort, architektonisch ein Wunschbau Hitlers, der auch dort ein prominenter Gast war, und zu Weimar gehört wie Goethe und Buchenwald.

Im Hotel wimmelt es von bildungswilligen Rentnern, die morgens und abends das Lokal "fluten". Zuerst dachten wir an eine FAZ-Bildungsreise (für SeniorInnen - wen sonst?!), aber es war wohl eher eine größere Studiosus-Gruppe. Zu unserer Freude überlegt es sich die Gruppe am Sonntag Abend mit dem Abendessen, so dass wir doch noch einen Platz in dem Lokal bekommen. Sehr freundlicher Service; der junge Mann beantwortet alle meine Fragen, empfiehlt einen guten, nicht ganz trockenen Weißwein, der mit dem Fortschreiten des Abends auch die anfänglichen Widerstände der Dame hinweg spült. Das vegetarische Angebot ist bescheiden, auch sonst ist die Speisekarte sehr kurz gehalten, i.G. zur Weinkarte.

Das Hotel ist ein Franchise-Hotel, wohl von US-Seite aus "gebrieft". Das merkt man etwa in den Zimmern, deren Heizung sich nicht abstellen lässt und immer auf einen Durchschnittswert (ca. 21 Grad) hin arbeitet. Die Freiheit, die uns die unbekannten Bosse in Übersee lassen, ist, wir dürfen maximal drei Grad dazu geben oder reduzieren. Mein Versuch freilich, das Maximale herauszuholen, und das Zimmer ordentlich einzuheizen, scheitern bei ca. 22 Grad... Welch schönes Sinnbild unserer "Freiheit" (nicht nur) als Konsumenten. Hitler meets USA, könnte man ganz ungerecht denken.

Das zweite ist, die Teller haben alle einen Knick an einer Seite. Wir rätseln lange, was das bedeuten könnte? Etwa, dass die KellnerInnen an dieser Stelle die Teller gut aufnehmen und tragen können? Weit gefehlt! Es ist eine Frage des Designs, hat keine Funktion, lernen wir!

Ja, Weimar ist auch eine Bauhausstadt, aber was bedeutet das heute? Ein Thema Touristen anzulocken, die schließlich einen respektablen Grund für ihre Reise brauchen - und ein Thema, über das man gleicherweise unverbindlich und unbelastet parlieren kann.

Das fällt den zwei Frauen in der Oper bei Dessaus "Lanzelot" etwas schwerer, wie wir hören dürfen. Wir sitzen in der Reihe vor ihnen.

Paul Dessaus Oper ist schließlich modern, d.h. Uraufführung 1969, also erst ca. 50 Jahre alt. (Dazu an anderer Stelle mehr).

Was aber wirklich gegen das Hotel spricht: es gibt morgens zwar eine Kanne Kaffee, die man aus einem Becher trinkt, was mich nicht stört, aber dass man keine Kanne Tee mehr bekommt, und dieser in einem großen ("Camping"-)Becher auf den Tisch gestellt wird, der geriffelt ist, auf dass man sich nicht die Finger verbrenne, ist ein kultureller Tiefpunkt. Ein Grund für die Dame, das Hotel in Zukunft zu meiden.

Die Zimmer sind so-so lala, ich bin kein Freund von Teppichböden, die Betten aber sehr gut.

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