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Fernruf7

Veröffentlicht am 27.08.2020

Gastronomie. In Österreich

Eine Postkarte erinnert uns an das Lokal, wo die Dame schon lange mal hin wollte: Die Postkarte in einem auffälligen, nicht ganz hellen Gelb, voller verschiedener Schriften, wie man es eigentlich nicht machen soll, wenn man gelesen werden möchte. Hier hat das Stil, denn es geht auf der Postkarte wie in dem Lokal, das nur an wenigen Tage geöffnet hat, etwas unorthodox zu.

Das Restaurant wird Fernruf7 genannt, nur wenige Meter vom Gasthof Mühltalhof (Gourmetküche) entfernt, dann steht noch allerhand Zirkushaftes, fast Marktschreierisches auf der Karte, wo überraschenderweise der Chef mit bedient, der Chef des daneben liegenden Hotels mit hochgeschätzter Küche. Den Autos davor kann man entnehmen, dass der Ort von Wienern und Österreichern sehr geschätzt wird, sogar ein Auto aus Stuttgart findet sich ein.

Die Gaststätte sieht eher wie ein langer großer Schlauch, eine Garage, eine frühere Werkstatt aus, etwas entfernt unter Bäumen die Sitzgruppe; sehr naturnah, das Lokal innen, mit Blick in die Ein-Mann-Küche, etwas loungig.

Man hat auch hier, das scheint die neue Mode in einem bestimmten Segment einer ambitionierten Küche, keine Speisekarte mehr, man kann wählen zwischen 3, 5 und 7 Gängen. Wir nehmen die mittlere Zahl, eine Getränkekarte mit lustiger Charakterisierung des Weines gibt es aber noch. Der Chef will uns auch hier nicht mit seiner Menüfolge traktieren, uns bleibt nur blindes Vertrauen, auch in die Preisgestaltung. Mein Radler mische ich mir selber aus Bier un-d Almdudler, oder wie die Limo hier heißt.

Wie bekommen 3 Vorspeisen, einen Hauptgang und einen Nachtisch, wobei diese Einteilung etwas willkürliches an sich hat; sie stammt von uns, den österreichischen Chef würde sie vielleicht langweiligen? Er hat eine Mütze auf, die ihn vor der wenigen Sonne schützt, mehr Accessoire als Dienstbegleitung, Masken trägt man hier nicht, d.h. nur die Gäste auf ihrem Weg zur einzigen Toilette. Das sind so Schwachpunkte, immerhin führt der Weg dahin an der offenen Küche vorbei. Einen Blick in die Küche werfen zu dürfen, verrät Souveränität, die hat der leise sprechende Chef hier zweifelsohne. Freundlich ist er, bestimmt, - Zuversicht ausstrahlend, keine Zweifel aufkommen lassen.

1. Gang eine Art Bruschetta und etwas knusprig Gebackenes, das aber etwas fade ist. Das Brot dagegen macht Lust auf mehr, später gibt es selbst gebackenes Brot, das schon einen Besuch lohnt. In manch anspruchsvoller Küche bekommt man kein Brot, das ist freilich unverzeihlich, und eine Zumutung über das unbekannt Reizvolle hinaus. (Berliner kennen das vielleicht.)

Dann Antipasti, mit durchaus Suchtpotential. Besonders die Roten Beete finden bei der Dame enthusiastischen Zuspruch aber auch die anderen 5 Schälchen, von dem Brot ganz zu schweigen, lohnen das Naschen.

Die ungarische Fischsuppe schmeckt für eine Fischsuppe etwas zu milde, mit zu viel Karotte und zu wenig Schärfe; auch wenn Schärfe und Fisch sich nur selten vertragen.

Ein Lamm-Kebab Fleischspieß ist unser Hauptgang, dieses lässt sich erfreulich leicht vom Spieß, das schon fast Degen-Dimensionen hat, lösen mit etwas, wenig Beilage, ausreichend, wir haben auch noch Brot. Und „satt“ ist man schon fast nach der zweiten Vorspeise.

Ganz wunderbar noch das aufgepeppte Eis zum Nachtisch.

Man sitzt auf diesen Gartenmöbeln, von der Natur umkreist, sicher schlechter als Zuhause, aber dafür sind wir eben etwas unorthodox und mögen es auf höhere Art familiär.

Das Köche-Unwesen in unserer Lande und Nachbarn… treibt seltsame Blüten von Herrschaft und Unterwerfung, Verführung, Erwartung und manchmal Verblüffung, das Gegenteil vom „Überwachungskapitalismus“. Das Ganze wirkt kulturbildend, im Sinne einer bestimmten Klassenkultur, die sich keineswegs jedermann und seine Frau leisten können. Aber das daneben liegende Hotel macht Umsatz wie noch nie, die Leute haben genug von Corona und wollen wieder leben oder doch so tun.

Man müsste hier wohnen, dann könnte man die lustigen Weine probieren, und sich ganz in der Welt Zuhause fühlen - uns kann keiner, aber wir dafür.

 

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