In diesem Museum (Tade Modern) habe ich noch ein Urinal gefunden, nicht das Original von Marcel Duchamps, sondern ein »Nachbau«. Es ist freilich hinter Glas und also nicht mehr zu benutzen. Das ist nun ein schönes Symbol für die Toilettensituation in den Lokalen dieser Stadt, wo man kaum noch welche findet, v.a. nicht in den kleineren, wo es nur noch ein oder zwei Unisex-Kabinen gibt. Ob das nun den Durchlauf erhöht, steht dahin, ich glaube eher nicht, aber für seinen »Glauben« nimmt man eben einiges in Kauf.
Übrigens sind die Museen außer bei den Sonderausstellungen frei, was unbedingt zu begrüßen ist, und von vielen, wohl v.a. Touristen, geschätzt wird. Dort geht es freilich anders zu als in deutschen. Da darf man Rucksäcke auf dem Rücken tragen und auch ein Schluck aus der Plastikwasserflasche vor einem ziemlich teuren Bild regt niemand auf. – Auch in der Oper geht es ungleich legerer zu als bei uns, was die Garderobe und die allgegenwärtigen Trinkflaschen angeht. Die Leute scheinen ständig am Verdursten zu sein.
Es ist eine Stadt, die dem Bargeld den Kampf angesagt hat, wer im Supermarkt bar bezahlen will, darf Schlange stehen, manche Cafés nehmen nun gar kein Bargeld mehr.
Ich habe eine (1) Kreditkarte, die ich dank des Angebots des Öffentlichen Nahverkehrs benutzt habe. Es gibt eine Höchstgrenze, was am Tage abgebucht wird, was heißt, dass alles(!) gespeichert wird. Wir sind in einem Überwachungsstaat angelangt, der weiter ist als unserer, selbst in Lokalen findet man Kameras. Das Problem entsteht, außer, dass dieses Land fest in den Händen der Kreditkartenunternehmen (Banken) ist, wenn man irgendwo steht, kein Bargeld dabei, und dann funktioniert der Einlass in die U-Bahn-Stadion auf einmal nicht mehr mit der Karte. Da nutzt kein Schimpfen, man bleibt draußen, und macht eine kleine existenzielle Erfahrung…
PS: Ich habe versucht mich bei »London Underground« zu beschweren, dort sind wir aber in der wahren Hölle!