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Kapitalismuskritik Marxismus

Zur Erinnerung – über Krieg und Kapitalismus

Frei nach Marx und Engels und …
Alfred Sohn-Rethel (Teil 1)


„Wir“ rüsten auf, da stellte sich die Frage wozu und wohin?

1. „Allgemein gilt somit: die Größe des industriellen Kriegspotetials, das ein moderner Staat sich leisten und, vor allem, welches er nach seiner Fertigstellung durchhalten kann, hängt ab von der Größe seines Exportspieraums für Kriegsmaterial. Hat er wie England ein ganzes Commonwealth oder wie Frankreich ein ganzes Bündnissystem oder wie Amerika einen ganzen Kontinent mit Rüstungsmaterial zu belieferen, so kann er ein größeres Potential auf längere Zeit friedlich durchhalten, als wenn er keine solche festen Kunden hat, sondern Außenkriege anstiften muß, um sich den Ansatz erst zu schaffen.“

Außenkriege haben wir schon mindestens zwei, die Deutschlands Regierungen beliefern und befeuern.

2. „Die Kriegsgefahr wird in dem Maße in der Welt akut und allgemein, in welchem die Rüstungsstaaten einer nach dem anderen diese Wendung vollziehen [von der Ausstattung der eigenen Armee zum Export derselben, um diese damit zu finanzieren], und dann die konkurrierenden Produktions- und Absatzansprüche von Kapazitäten aufeinanderprallen, die zusammen ein um ein Vielfaches größer sind, als ein Friedensbedarf sein kann, um ihnen zu entsprechen. (…)
…daß ihre Rüstungen Rüstungen zu Verteidigung des Friedens seien, ist ein frommes Märchen. Sie sind Rüstungen zur Verteidigung der ‚prosperity‘, des Profits und des Kapitalismus, der in den Demokratien nur mit etwas mehr Spielraum, auf dem gleichen Weg zur kriegerischen Endkrise begriffen ist wie bei faschistischen Staaten.“

Das war auf den Zeitraum des dt. Faschismus bezogen, den Sohn-Rethel in seinen Beiträgen untersucht. Heute wird die Unterscheidung, ob ein Staat faschistisch genannt werden kann oder noch demokratisch – akademischer. (Obwohl das für seine Opfer existenziell ist.)

3. „Das banale Argument von Pazifisten, wieviel Segen man für die Menschheit doch stiften könnte, wenn man die heute für Rüstungszwecke aufgewandten Milliarden zu ökonomisch produktiven Aufgaben investieren würde, daß es dann weder Arbeitslosigkeit noch Hunger noch Krisen zu geben brauchte, legt gerade die unüberbrückbar gewordene Kluft zwischen den Profitinteressen des Privatkapitals und den Ansprüchen der von ihm entwickelten Produktivkräfte der vergesellschafteten Arbeit bloß. Nicht der Kriegsdruck hindert das Kapital an der Erfüllung ‚segensreicher‘ Aufgaben, sondern seine Unfähigkeit zu diesen Aufgaben erzeugt seine Kriegsbetätigung, die zunehmend die einzige ist, zu der die Bourgeoisie die Produktivkräfte noch in Beschäftigung und ihr Kapital zur Verwertung bringen kann.“


Ausgang offen oder Untergang nahe?


Zit. aus: Alfred Sohn-Rethel: Ökonomie und Klassenstruktur des deutschen Faschismus. Hrsg. u. eingl. von Johannes Agnoli, Bernhard Blanke, Niels Kadritzke. Suhrkamp Verlag 1973