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Oper

Gaetano Donizetti: Lucia di Lammermoor

Oper Stuttgart, R.: Katie Mitchell

„Die Inszenierung verlegt die Handlung – entgegen der Vorlage von Walter Scott, die im späten 17. Jahrhundert angesiedelt ist – in die 1830er und 1840er Jahre, in die Epoche der dunklen Romantik. Gothisch-romantische Bildwelten schaffen eine unheimliche, verschwörerische Atmosphäre und machen das Geschehen zu einem psychologischen Thriller. Im Zusammenspiel mit Donizettis ergreifender Musik und dem Belcanto-Gesang, der Stimme und Emotionen schonungslos freilegt, gelingt es Mitchell, das Werk fern von dekorativem Historismus als erschütternd gegenwärtiges Drama erfahrbar zu machen.“

So kündigt die Staatsoper diese Tragödie an. Unklar, warum man eine Produktion aus London übernommen hat; hätte man in Stuttgart die Regie nicht auch gekonnt?

Suspekt ist mir, warum man das Stück in die Biedermeier-Zeit verlegt? Es reicht nicht, das Stück umzutopfen, man will zudem einen psychologischen Triller (der Bonsai grüßt) daraus machen, in welchem gesungen wird; das passt natürlich nicht. Aber wen stört das?

Und ist der Intendant auch der Meinung, dass wir heute wieder im Biedermeier leben, wenn das als „gegenwärtiges Drama“ zu erfahren ist? Nun wird außer in bestimmten reaktionären Kreisen, bei denen die grüne Kulturübernahme misslungen ist, hier niemand mehr in eine Ehe gezwungen, oder aber die materiellen Verhältnisse erzwingen solches. Dies ist immer noch so; und die Regierung tut viel dafür, dass sich das auch nicht ändert (Armut). – In der Pause sahen wir ein schönes Beispiel aus Özdemirs Regierung, dass auch bei uns das Kapital seinen Politikern nicht mehr traut, aber nicht, weil die einen eigenen Willen hätten und an ihre Wähler dächten (z.B. an die Bahnfahrer), sondern, wie in den USA, sie übernehmen die Kontrolle direkt. Preisfrage – Wir nennt man so eine Regierungsform? Demokratie!

Ja, wir leben in gothisch-romantischen Bilderwelten, Biedermeier und Rückkehr einer Vergangenheit, im Theater dekorativ, auf den Schlachtfeldern (Gaza, Westjordanland, Ukraine) weniger.

Mal sehen, ob der deutsche Michel 1848 wieder aufwacht. In anderen Ländern schon. Die Front der Reaktion steht und rüstet gewaltig und gewalttätig auf. Und freut sich auf Koalitionsangebot. Aber wen interessiert bei der „Linken“, was Rosa Luxemburg über solche Koalitionen dachte? Schamrote Linke, wenn sie denn ein Gewissen hätten.

PS: Ich sehe eine Oper als nicht gelungen an, wenn nur die Musik „perfekt“ ist. Sonst bin ich dafür, die Oper konzertant aufzuführen, hierin wäre der Geist frei zu schweifen, wohin ihn die Musik treibt. So wird er an eine rostige Kette gelegt.

„Wirtschaftlich denkender Bruder will für seine Schwester nur das Beste, doch deren weltfremde Vorstellungen von Liebe und Treue führen zur Katastrophe. (Drei Tote.)“ Wolfgang Körner: Der einzig wahre Opernführer. Rowohlt Taschenb. Verl. 1999