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Gastronomie Oper

Online – ein Versprechen!


In der Bourgeoisie ist auch nichts besser!


»… daß die Erkenntnis der Gegenwart unmittelbar wie eine Art Trost wirkt. Sie ist die Reaktion der Menschen, die sich von der Wirklichkeit nicht verrückt machen lassen.« Max Horkheimer

Kürzlich bat mich ein Opern-Freund um Hilfe, er wollte für die Pause online etwas bestellen. Online ist das Versprechen, Zeit und Mühe zu sparen, also nicht früher kommen zu müssen, um die Bestellung in der Oper vor Ort aufzugeben, oder, noch mühsamer, mit Beginn der Pause raus zu rennen, um sich einen vorderen Platz in der Warteschlange zu sichern. Man möchte vermeiden, dass man, kaum dass man bestellt hat, es gleich das erste Mal klingelt, also es höchstens für einen Schnaps reicht, keinesfalls aber für einen Sekt oder einen Verzehr.

Da ich schon dort ein Online-Konto habe und früher schon bestellt zum Entzücken mancher Dame aus der »besseren Gesellschaft«, die mir das nie zugetraut hätte, wollte ich auch diesmal glänzen! So einfach, jemandem eine Freude zu bereiten, kommt selten, denkt man sich.

Zuerst fand ich eine neue Oberfläche, ein neu gestaltetes Portal. Das kenne ich von meiner Sparda-Bank, fürchtete aber noch keine Parallelen. Nun, das Einlocken in mein Konto misslang, obwohl sich doch mein braver PC an das alte Passwort erinnerte. Nun, also versuche ich es mit »Passwort vergessen«. Dauert eine Weile: nichts passiert. Also wurde nicht nur mein Passwort vergessen, sondern ich gleich ganz, d.h. mein Konto. Haben sie die Daten nicht retten können beim Umzug, oder wurden die irgendwohin verkauft? Fragen, die man sich stellt, auch wenn es keine Antwort gibt.

Also lege ich ein neues Konto an. Übrigens hatte ich vorher schon die zu bestellenden Sachen heraus gesucht, auch nicht einfach, einschließlich Sitzplätze etc. Vom neuen Konto aus konnte ich aber nichts bestellen?! Also abgemeldet, und den Bestellvorgang von Neuem begonnen. Leider fand ich nach der Bestellung keine Möglichkeit in mein Konto zu kommen, es gab nur »als Gast bestellen«, was ja sowieso jeder ist, Konto hin oder her, oder sich neu registrieren zu lassen. Einmal registriert reicht, dachte ich, also als Gast weiter. Nun musste ich alle Angaben noch einmal eingeben!

Dafür hatte ich beim Bezahlen noch eine größere Freude. Gleich wurde meine Orange-Kreditkarte, die mir meine Bank sehr empfohlen hatte, abgelehnt! Obwohl ich, ein weiterer Versuch, alle Daten richtig eingegeben hatte. Zum Glück, wenn man das Unglück so nennen darf, hatte ich auch noch eine Debitkarte, auch eine Art Kreditkarte, die akzeptiert wurde, mich freilich auf eine Seite weiterleitete, wo ich die Kreditkartennummer nochmals, sicher ist sicher, eingeben durfte. Dann wollten sie einen »Token«, könnte man mit einer Art »Spielmarke« übersetzen; denn es geht darum, wer weiter spielen darf. Zum Glück wusste ich diesen, dann aber versprach man mir, eine SMS mit einem Code zu schicken, den ich dann einzugeben hatte. (Fragen Sie ruhig, wie lange das alles dauerte!)

Was ich vergessen habe bei der sinnlosen Kontoeröffnung, auch bei der Bestellung wollte das Programm wissen, ob ich ein Mensch bin?! Sicher bin ich da nicht, aber ich versuchte es. Da kam dann von der KI ein Test, den ich von den IQ-Tests kannte. Ein Feld mit Symbolen (Zeichen), in dem zwei Zeichen sich von den anderen unterscheiden. (Erkenne die Abweichler! Überall ist Training!). Mir großer Mühe, als nur durchschnittlich begabter Mitbürger, klickte ich diese an mit dem Erfolg, dass ich den Test wiederholen musste. Versetzung gefährdet! Also noch einmal – Schließlich muss man Glück haben bei diesen Tests, sonst ist man verloren. Es klappte, obwohl ich diesen Test ja insgesamt 4 mal machen musste! Die KI hat von sich keine gute Meinung und von uns noch weniger, wenn sie glaubt, dass diese Tests ein Kriterium dafür wären, dass hier ein Mensch sitzt!

Nun das Bestellen war auch nicht einfach, weil bei den Snacks, die ganz unten standen auf der Seite, die Möglichkeit fehlte, diese anzuklicken. Waren Sie schon ausverkauft? Auch diese Hürde konnte umgangen werden, nicht jedoch erfüllt der Wunsch nach einem extra Essbesteck, dafür fand ich kein Feld. Ich habe das bei einer früheren Bestellung versucht mit einer extra E-Mail, also um ein weiteres Besteck gebeten – sharing economy -, leider fand ich das Besteck dann nicht an meinem Tisch. Ich empfahl also meinem Freund vorsichtshalber eines mitzubringen.

Nun ich gebe zu, alles was ich hier für die Pause erlebte habe, ist spannender als das, was sich häufig in diesem Ort und Zeiten zwischen den Pausen ereignet, ohnehin wird häufig die Pause unterschätzt. Aber dazu hier nichts mehr.

Ob es meiner Bestellung nun so ergeht wie meinen Kontodaten, wird die nächste Aufführung zeigen.

PS: Das Online-Elend bei meiner Bank ist schlimmer, etwa wenn man nur die Hälfte des Erlaubten abheben kann, die eine Karte mal da, die andere mal dort nicht funktioniert, die Beschwerdemail im Orkus verschwindet, aber, wenn man dann anruft, einem versichert wird, die Kollegen würden sich sicher schon um das Problem kümmern. Darauf warte ich Woche um Woche…

PPS: Sollte das BSW und Frau Wagenknecht in ihrem nächsten Wahlkampf, den Programmpunkt: Anti-Digitalisierung – zurück oder vorwärts zum Menschen, aufnehmen, und nicht wieder dieses Dummenfang-Thema Sicherheit, werde ich sie nicht nur wählen, sondern mir auch eine Mitgliedschaft ernsthaft überlegen. Damit kommt sie locker über 5 %!

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