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Kino

Bugonia

Satire, schwarze Komödie. delphi LUX, Berlin

Ich wurde in diesen Film gelockt mit dem Hinweis, das wäre ein Science Fiction. Das ist er nur zum geringen Teil, eher eine (blutige) Horror-Geschichte, die freilich die wenigsten Besucher davon abhielt, Chips, Popcorn und diverse Getränke zu konsumieren. Freilich, dies v.a. während der ziemlich langen Werbefilmchen und der Filmvorschau, also in der ersten halben Stunde; danach wurde es etwas stiller, zumal der Horror mehr in der zweiten Hälfte des Filmes einsetzt. Wobei die ganz harten Kerle auch diese Herausforderung gemeistert haben.

Zuerst kommt man sich vor wie im ländlichen Amerika (USA) der Trump-Ära, wo die diversen sogen. Verschwörungstheorien versuchen, die tatsächliche Verwüstung von Mensch und Landschaft durch z.B. Außerirdische zu erklären, was ja immer noch besser ist als der Rüstungs-, Pharma- oder Kulturindustrie auf die Finger zu schauen, von einer echten Kapitalismuskritik ganz zu schweigen, wobei eine Karikatur dieser durchaus verträglich ist mit dem herrschenden Unsinn (Ideologie).

Natürlich ist es leichter verrückt zu werden und das individuelle Elend mit Außerirdischen in Verbindung zu bringen; aber welcher Verlust an Zeit und Hirn, das an vergifteten Quellen trinken möchte? Das kann man sich nur mit der Einsamkeit, d.h. der Idiotie des rückständigen Landlebens erklären, wobei ich zugebe, dass die Städte auch keine Leuchttürme des menschlichen Fortschritts mehr bilden, ein bisschen nur noch macht Stadtluft „frei“.
(Es fehlt die zivilisierende Kraft einer Bürgerinitiative, von Solidarität ganz zu schweigen.)

Man kann in dem Film sehr gut erkennen, was Paranoia ist und wie sie entstehen kann. Wobei unter besseren Bedingungen der Hobbyimker Teddy noch die Kurve geschafft hätte und seinen etwas einfältigen Cousin nicht in die Katastrophe getrieben hätte. Wunderbar die „Dialektik“ der Irrsinns, die uns Teddy entfaltet, und wunderbar, wie sich seine psychologisch und körperlich gestählte Gefangene drauf einstellt und auf ihre Chance lauert.

Es gibt im Film eine Steigerung, die von der Ohrfeige, zum Elektroschock bis zur finalen Sprengung reicht. Muss diese sein? Kann man vermuten, dass der Film auf ein Publikum zielt, das Teddy und seinen Cousin umfasst? – Wäre es ein Film für die weltberühmte Geschäftsfrau Michelle (Emma Stone) gewesen, die aber kaum ins Kino gehen dürfte, er hätte sich anders und mehr in unserem Sinne entwickelt. (Oder ist es umgekehrt?)

Es gibt genug Horror bei uns, man braucht dazu keine Kopfschüsse oder abgesprengte Köpfe, wobei diese Szenen vielleicht eine Bedeutung haben, die zu entschlüsseln wäre. Ein Kopfschuss ist sozusagen die finale Erledigung der Gefahr eines selbständigen (quälenden) Gedankens, aber, dass dieser nicht entsteht, ist auch ein Verdienst der erfolgreichen Waffenindustrie. Und dank der ukrainischen Korruption, vermuten wir, werden auch unsere Unterwelten mit Waffen geflutet.

Der Schluss fällt wieder auf das Niveau des Anfangs zurück. Er dreht sozusagen Schlaufe und Schlaufe damit für jeden Einfaltspinsel noch eine Metaebene bleibt, um seine Theorie in Einklang mit der herrschenden zu bringen, indem man den Schluss anzweifeln darf. Ist das Pädagogik? Uns hätte es besser gefallen, wenn uns mehr gefallen hätte, wenn alles im Schrank geendet hätte. Und das Ende – hat das die Menschheit verdient? Wer ist die Menschheit, sind das alle, oder gibt es auch hier diejenigen, die für einen hohen Profit auch alles andere in Kauf nehmen? Da sind wir aber wieder am Anfang, auf los, ohne dass es noch los ginge, dafür sorgen schon Michelle, Donald, Friedrich und Boris.


PS: Die Dame meinte, das Beste an dem Film war die Musik am Ende mit Marlene Dietrich, die sich aber auch nicht mehr wehren kann.

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Literatur für die freien Tage: Ilja Ehrenburg: Das Leben der Autos. Malik-Verlag Berlin 1930

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