Am 12.1. an Feedback Staatstheater Stuttgart verschickt, ca. 30 Minuten später schon veröffentlicht! (Montag Morgen!)
https://www.schauspiel-stuttgart.de/dialog/feedback
»Ganz großartig dieser Hamlet, tolle Schauspieler:innen, die Tempo machen, auf den Tischen tanzen und auch sonst um kein Wort verlegen sind. Dazu passende Musik, die Laune macht, und viel Humor, was man an den Lachern merkt. Man versteht nicht jedes Wort, aber kann trotzdem allem supi folgen.
Da hat Kosminski wieder uns gezeigt, was er kann, und was er seinem Stuttgarter Publikum servieren möchte. Die Videos lassen den Gesichtsausdruck, den man sonst schlecht sieht, vor allem von den hinteren Plätzen, gut erkennen, da müssen die Schauspieler:innen, allen voran Hamlet: Frank Pätzold, viel leisten. Ganz groß auch die anderen: Katarina Hauter als Mutti Dänemarks, oder Rainer Galke, der es gleich auf drei Rollen bringt. Ob er dafür auch drei Gehälter bekommt? Verdient hätten sie es alle. Nichts ist faul in diesem Staate, alle spielen ihre Rollen super.
Alle waren begeistert und viel verdienter Beifall. Mal sehen, mit was uns Kosminski noch beglückt? Wir hoffen auf weitere moderne Stücke mit viel Aktion und toller Musik.«
Sehr nett, sie haben meine absichtlichen Rechtschreibfehler korrigiert! Sonst aber nichts! Bitte versuchen Sie es mal mit einem kritischen Text!
Verblödung 2
Lacher im Theater – Pioniere der Verblödung
Dass das Theater junges Publikum will, wer könnte es den Intendanten und Regisseuren verdenken, denken sie doch an die Zukunft ihrer Institution zuerst und dann vielleicht noch an ihre eigene, damit zusammenhängend.
Das nimmt aber nun bedenkliche Formen an. Besonders auffällig sind in Stuttgart aber auch Berlin diese LacherInnen in den für Prominente reservierten Reihen, aber natürlich nicht nur dort. Ein Bekannter aus den USA, der sich über unmotiviertes Lachen aufregte, und ein dort übliches »Fuck-up, why are you so laughing« ausstieß, bekam dann mit der Ordnungsmacht im Theater Ärger, nicht die störenden jungen LacherInnen!
Das ist leicht zu erklären, siehe oben. Außerdem sind dem heutigen Theater Leute, die über jeden Scheiß lachen, also ordentlich unter (innerem) Druck stehen, lieber, als die, die aufmerksam dem Stück folgen, und erst hinterher zu dem Ergebnis kommen, dass das Ganze eine Lachplatte war.
Die Verblödung des Publikums schreitet also weiter voran, das Theater (genauer: einige) will dazu seinen Beitrag leisten. Der Effekt der sinnlosen Emphatik fällt aber sogar der FAZ auf, wo Herr Kaube, nun ja, wenigstens hier einen Lichtblick hat, und aus Anlass einer Offenbach-Inszenierung feststellt: »Der beträchtliche Jubel des Publikums, das erkennbar etwas zum Jubeln haben wollte, konnte sich also auf die Sänger beziehen, auf sonst wenig.« (18.11.25)
Jubeln und Lachen gehören hier als regressive Rezeptionshaltung zusammen. Je weniger die Leute zum Lachen haben, desto verbissener die Anstrengung dieses zu tun. Da kommt man auch mit keinem Gesprächsversuch mehr weiter. Die Leute wollen glauben, z.B., dass sie eine (gute) Zukunft haben, dass sie das Richtige tun, wenn sie ihrer Regierung und ihren Medien folgen usw.
Wobei es an wirklichem Humor fehlt, so schreiben Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey in ihrer »Zerstörungslust«: »Man bezeichnet sich als demokratisch, um im Namen der Demokratie autoritäre Maßnahmen gegenüber politischen Gegnern zu rechtfertigen.« und merken gar nicht, dass sie damit um 180 Grad übers Ziel hinaus schießen. Also es gäbe viel zu lachen, aber ohne Geist ist das schwer.