Zur Einleitung von: Amlinger, Carolin und Oliver Nachtwey: Zerstörungslust. Elemente des demokratischen Faschismus. Berlin 2025
Reicht nicht eine Einleitung, um zu entscheiden, ob sich die weitere Lektüre lohnt? Reicht es nicht, um einen Eindruck von Methodik und intellektueller Kompetenz des Buches zu bekommen, reicht es nicht, das Branding den neues Buches zu verstehen: Zerstörungslust und demokratischer Faschismus?! Und reicht es nicht, den undialektischen Gehalt des Buches zu erahnen?
Warum steht es nicht am Ende des Buches, wer es gefördert hat, um warum fehlt dies, oder habe ich es überlesen, bei der ansonsten guten Rezension des Buches im nd vom 23.10.25? Die dort wichtigsten Punkte: Faschismus ist nur mit Imperialismus (d.h. Kapitalismus in der Krise) zu verstehen, anders formuliert, ohne politische Ökonomie ist alle Soziologie oberflächlich, und es fehlt, was früher Ideologiekritik genannt wurde. Nur als Beispiel: Man vergleiche mal den Umgang von Theodor W. Adorno mit Oswald Spengler oder die Auseinandersetzung der marxistischen Linken (im weiten Sinne) mit Friedrich Nietzsche! In dem Text wird vieles, was nicht passt, nach rechts geschoben und da walten Spinner und Zerstörer. (Leider hat die AfD, was die Corona-Krise angeht, wie auch immer motiviert, ein besseres Bild geboten als zum Beispiel die Zero-Covid- »Linke« u.a. Schweigen wir von Russland oder dem Massenmord in Gaza. Genauer hinsehen ist aber (noch) nicht Sache der Autoren.
Selbst die Dialektik der Zerstörung sehe ich nirgends, als wenn nicht etwa das Niederreißen von Mauern Licht und Luft hereinlassen könnte, und auch über die Rolle der Gewalt (in der Geschichte) darf nicht einmal mehr historisch reflektiert werden.
Und dieser Nonsens mit dem »demokratischen Faschismus«, als wenn dieser nicht schon früher durch Wahlen an die Macht, genauer an die Regierung, gekommen wäre?! Keine Klassenanalyse, aber ein großen Topf mit vielen Zutaten. Wem schmeckt das?
Das alles hat wenig/nichts mit der klassischen Kritischen Theorie zu tun, dann kann man noch so oft Adorno zitieren, auch der unvermeidliche Gramsci darf nicht viel beitragen.
Fassen wir zusammen: der Text präsentiert die erwartbare Enttäuschung, liefert Wasser für den Mainstream, bringt leider die noch vorhandene menschliche Intelligenz kaum weiter.
Gute Faschismustheorie, ohnehin hier nicht das Ziel, muss man woanders suchen. Mein Onkel sagte gerne: »Wes Brot ich ess, des Lied ich sing«. Nun, die Autoren sind mit ihrer »methodischen Empathie« vorsichtig: »Aber verstehen heißt nicht verzeihen.« – Nichts verstehen heißt aber auch nicht viel.
Nun ein paar schöne Beispiele
Den Autoren geht es um die Anamnese und die Ursprüngen der Destruktivität, und das, wo doch »die meisten Menschen sehr große Freiheiten genießen?« (23) Schätze die Autoren genießen sie, aber darauf auf andere zu schließen und das mit falschen Maßstäben begründen oder auch gar nicht? Es gibt nur einen Maßstab, nämlich das, was der Stand der Produktivkräfte, der Reichtum der Gesellschaft zulässt. Das sind so Widersprüche mit dem, was weiter vorn steht (14f), aber egal. Auf dieser Seite vergessen, was woanders anstandshalber thematisiert wurde. Das Ganze ist…, ach was, weg damit!
»Faschismus als Folge des sozialen Wandel« – das nenne ich Weißwaschen. Siehe oben!
»Antifaschistischer Grundkonsens« in der BRD. Haben diese Soziologen nichts über die Nachkriegsgeschichte gelesen, nie was von Strauß, Dregger, Filbinger usw. gehört? Von der Justiz ganz zu schweigen?
Man könnte hier etwas vom hilflosen Antifaschismus schreiben, aber, was fehlt, will ich hier nicht ergänzen. Ergänzen ohnehin nicht, das Buch ist ein Ausweis der analytischen Schwäche der bürgerlichen Soziologie, die nicht retten wird, was sie möchte, weil sie apologetisch ist, anders formuliert, die wichtigen Fragen gar nicht zu stellen wagt.
Wenn ich so etwas lese, die »Einheit von Kapitalismus und Demokratie«. welche Märchenerzählung wird hier vorgetragen, nur um die Ausnahme für die Regel zu verkaufen. Und nicht einmal die Frage, was das für eine Demokratie ist, wird gestellt. Form, die einen falschen Inhalt vorstellt. Nun, vielleicht hatten Oswald Spengler und andere eine größere Einsicht in das, was z.B. »Pressefreiheit« heißt, als mancher zeitgenössische Soziologe. Genug! Und wenn die bürgerliche Gesellschaft, dies als letztes, ins Autoritäre umschlägt, dann aus der Mitte heraus, nicht von den Rändern her; aber das wäre eine andere Analyse, die aber niemand fördern würde und einen inzwischen auch den schönen Job kosten könnte.
(Wir auf Wunsch fortgesetzt.)