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Rechtsstaat

Sheriff Palmer


Der Oberbürgermeister von Tübingen, lokal auch: Dorfschultes genannt, ist auch der dortige »Obersheriff«, d.h. oberster Leiter der »Dorfpolizei«. Nebenbei: Ob man Tübingen als Dorf oder Universitätsstadt bezeichnen möchte, ist auch Geschmackssache. Als Student war für mich immer klar, was Tübingen (nicht) ist.


Nun, Herr Palmer dürfte bundesweit bekannt sein, dafür sorgt er schon; dass es jemand schafft, aus der grünen Partei zu fliegen, will auch viel heißen, wenngleich er immer noch mit den Provinzgrößen dieser Partei von »Kretsch« bis »Cem« gut befreundet sein dürfte, und in der Stuttgarter Zeitung auch mal als ministeriabel gehandelt wird. Das ist aber weniger eine Frage der Befähigung als des Netzwerkes und der erhofften PR.


Wofür so ein dann wieder grüner Palmer stehen würde, und seine Parteifreunde sowieso, aber auch die anderen von AfD bis SPD, machen wir uns da nichts vor, zeigt er immer wieder.


So sehen wir ihn mit der Stuttgarter Zeitung im Zug auf seinem Hoheitsgebiet unterwegs, und eine Gruppe Jugendlicher belauschend, und da will sich einer dieser Jugendlichen in die 1. Klasse setzen. Das darf der Wächter der staatlichen Ordnung nicht zulassen, den dafür braucht man einen entsprechenden Fahrschein! Es kommt zu einer kleinen Auseinandersetzung, in der der Jugendliche Palmer ein »Halt die Fresse« entgegenschleudert.


Nun entwickelt sich aber, wie Palmer der Welt mitzuteilen geruht, die Situation nicht so, wie er sich das wünscht als treuer Diener dieses Staates und Freund aller Vollzugsbeamten. (Was auch immer hier vollzogen wird?!)


Ein Fahrgast beginnt, mittlerweile hat Palmer seine Waffe, d.h. seinen Dienstausweis gezogen, die Situation zu filmen. Das ist schlecht, denn das kennt man von Demos, wo hinterher auf den Videos etwas anderes zu sehen ist als das was die Vollzugsbeamten behaupten! Und dann mischt sich noch eine Lehrerin ein und »stellte laut Palmer die Relevanz des Regelverstoßes grundsätzlich infrage und bewertete das Einschreiten als unangemessen.« Da fragt man, d.h. Palmer sich doch, welches Verständnis von Ordnung ja Rechtsstaatlichkeit diese habe.


Sollte diese Lehrerin in Tübingen beschäftigt sein, dann müssen wir um ihre Zukunft und ihr Bankkonto bei der Tübinger Kreissparkasse fürchten, denn Herr Palmer vergisst so leicht nichts.


Die Provinzposse ist in der Stuttgarter Zeitung Anfang Februar zu lesen und zeigt zugleich schön unser Stuttgarter Weltniveau: Partner der Welt hieß der Werbeslogan einst, bevor es mit »the länd« und der StZ bergab ging.


Erinnert sich noch jemand an Rosa Parks, die 1955 in den USA festgenommen wurde, weil sie auf dem falschen Platz im Bus saß und für einen Weißen nicht aufstehen wollte? Was hätte wohl Sheriff Palmer damals getan auf Seiten der Ordnungsmacht?


Nun, unser junger Mann könnte in die Geschichte eingehen, wenn er denn der erste gewesen wäre, der in die erste Klasse ohne Fahrschein wechselt, sich dort hinsetzt, und die ganze Klassengesellschaft in Frage gestellt hätte.


Aber da sei die Ordnungsmacht vor! Wir lernen daraus: wer einen dieser Leute wählt, wählt das, damit alles so bleibt wie es ist. (D.h. immer schlechter wird!) Diese Politiker schützen die Klassengesellschaft und ihr Mut besteht darin, die 1. Klasse gegen einen frechen Jugendlichen zu verteidigen. Die Tübinger Professoren und Stuttgarter der gehobenen Gesellschaft werden sich geschlossen hinter Palmer stellen. Lang lebe die Klassengesellschaft. Die Wahlergebnisse werden es leider wieder zeigen.


Aus dem Zusammenhang gerissen, aber interessant: »Vom Verwaltungs- oder Polizeichef zum Bandenchef ist der Schritt schließlich so groß nicht.«
Robert Kurz: Weltordnungskrieg. Das Ende der Souveränität und die Wandlungen des Imperialismus im Zeitalter der Globalisierung. Bad Honnef 2003

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