Zum Geburtstag
In meiner Zeitschriftendatenbank habe ich nichts zum 90. Geburtstag von Wolfgang Fritz Haug gefunden, dem wohl wichtigsten Vertreter dessen, was ich den akademischen Marxismus nennen möchte.
Das ist ein bisschen ungerecht, weil Haug viel geleistet hat, dazu gehört die lange Herausgeberschaft der Zeitschrift „Das Argument“, dazu gehören einige, auch wichtiger Bücher, viele gute Projekte, sein Enthusiasmus für Gramsci, den ich für übertrieben halte, und seine Pyramidenprojekt: das Historisch-Kritische-Wörterbuch des Marxismus, mit der er zwar seine Feinde nicht schlagen konnte, aber dafür ein ganzes Bücherregal füllen. (Ein Wörterbuch für die „Ewigkeit“ für eine historisch-materialistische Theorie ist ohnehin eine Art Widerspruch – sicher aber ein dialektischer!)
Bei der Geburtstagsfeier, die in der Rosa-Luxemburg-Stiftung statt fand, hätte man, wäre man denn eingeladen worden, feststellen können, dass diese mit dem akademischen Marxismus nicht mehr viel am Hut hat, mit dem anderen übrigens auch nicht, und mit der Namensgeberin schon gar nichts, aber das würde zu weit führen.
Der „Vorstandsvorsitzende“ dieses Vereins, der schon erfolgreich die „Linke“ in den parlamentarischen Sumpf begleitete, durfte als Gastgeber die ersten Worte sprechen; freilich bei dem Geburtstagskind keine leichte Aufgabe, der der Arme nicht ganz gewachsen war, auch sprachlich, aber das kann man einem gelernten Gewerkschaftssekretär kaum vorwerfen. Eher denn, dass auch er den Boden unter den Füßen verlor, als er anfing auch weicheren Teppichen zu flanieren.
Das folgende Programm bot Höhen und weniger, die Geduld der Zuhörer wurde etwas überstrapaziert, die sich irgendwann das Recht auf eine Pause praktisch erkämpften, wofür der Film über die Haugs unterbrochen werden musste. Das Buffet, das locken sollte, tat dies nicht für alle, Wein, der alles in schönerem Licht erscheinen lassen hätte können, war keiner in Sicht. (Also vor dem Ende die Versammlung verlassen.)
Der akademische Marxismus hat sich in diese Sackgasse (RLS) manövriert, was sicher nicht nur den feindlichen Umständen geschuldet ist, dass es diesen nicht mehr gibt. Von Strohfeuer einmal abgesehen.
Will die marxsche Theorie eine Zukunft haben, muss sie dahin, wo sie hingehört: in eine revolutionäre sozialistisch/kommunistische Partei und ihre Köpfe, auch wenn die Zeiten alles andere als revolutionär sind, und die Reaktion bei jeder Wahl triumphiert und auch die Köpfe der sogen. Linken (Antisemitismus) mit staatstragendem Widersinn besiegt.
Es bleibt die Aufgabe: die radikale Kritik am Bestehenden. Früher hätte man noch ergänzen können, ohne Angst vor den Herrschenden und ihrer (Staats-)Gewalt, aber diese ist inzwischen in einem Ausmaß angewachsen, dass man auf der Hut sein muss. Trotzdem? Trotzdem!
„Wer die Formeln für Demokratie im Bereich der Gesinnung sucht und vermeidet, sie im Rahmen eines sozialökonomischen Gesamtplanes zu verankern, dem entwickeln unter dem Druck des Sozialprozesses seine Gesinnungselemente sich unweigerlich ins Antidemokratische.“ WFH