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Kino

Dem Astronaut ist nichts zu schwer

Mal wieder ein Science Fiction im Delphi, Arthouse(!) Kino: Der Astronaut. Der Film bietet eine etwas zu lang geratene Ansammlung von Klischees, dabei technisch nicht unbedingt auf dem neuesten (Überwältigungs-)Stand, das muss freilich auch nicht sein, es gibt auch im SF andere, spannende Themen wie allein im Weltraum usw. Wobei dieses in jeder Großstadt hier auf Erden auch möglich wäre. Aber unser Held, Grace, findet einen kindgerechten Alien, der an anthroposophisches Kinderspielzeug aus Holz erinnert, und auch ungefähr so ein Niveau erreicht. Das soll nicht heißen, dass alle Aliens Feinde sein müssen; Feinde habe wir hier unten genügend, aber Identifikation & Projektion ist auch in diesem Film (fast) alles.

Man hätte den Anfang kürzen können, wie Grace ins All befördert wird von seiner Chefin Sandra Stratt aus Ostdeutschland, was wohl auch entsprechende Assoziationen ermöglicht.

Unser Astronaut ist nicht nur ein etwas zerstreuter und durchaus vorlauter junger Wissenschaftler, zumindest wirkt er so, er macht auch den super Lehrer und das gerne; auch so ein Widerspruch. Dazu kommt, dass er nicht eben übermäßig sozial veranlagt scheint, und wohl auch gut ohne (die) menschliche Gesellschaft auskommt. Das wiederum können wir nachvollziehen. Trotzdem hätte man den rührseligen Schluss, wie er seinen Kumpel rettet, auch fortlassen (kürzen!) können und uns in der Gewissheit aus dem Kinodunkel entlassen, dass beide ihre Welt retten. Das ist doch das Mindeste.

Immerhin hat der Film provoziert, dass uns Herr Dath in der FAZ (18.3.) einmal den Unterschied zwischen Gemeinschaft, Gesellschaft und Solidarität erklärt, und das in einer Weise, dass es auch Grace Schüler repetieren könnten und in der FAZ durchgeht.

Sind Filme dazu da, mit Hilfe der Schauspieler und Schauspielerinnen, die wir sowieso sehen und kennen und deshalb lieben, uns einmal mehr an die Kulturindustrie zu fesseln?- Die »Astrophagen« im Film fressen die Sonne, weshalb es auf die Erde immer kälter wird, während es bei uns immer wärmer wird, nun ja, aber wie heißen bei uns diese Dinger, die den Menschen das Hirn auffressen, so dass es darin immer dunkler wird? Um unsere führenden Köpfen zu ehren, sollten wir sie Merz, Cem oder Klingbeil nennen oder zur Erinnerung: Habecks… Bitte um passende Vorschläge!

PS: Wie wäre es mit einem SF über Herrn Hüseyin Dogru? Der könnte spannender werden. Und diese kleine Tierchen, die die Sonne verdunkeln, gibt es auch hier bzw. in Brüssel.

»Welche zentrale Bedeutung die Sklaverei für das britische Wirtschaftsleben hatte, wurde deutlich, als sie abgeschafft wurde: Im Jahr 1983 nahm die britische Regierung auf dem Kapitalmarkt einen Kredit über 20 Millionen Pfund Sterlin (etwa 2,1 Milliarden Pfund in Jahr 2024) auf, was 40 Prozent des Staatsbudgets entsprach. Mit dem Geld wurden Sklavenhalter für die Freilassung ihres menschlichen Besitzes entschädigt. Das Darlehen war so hoch, dass die letzte Rate im Jahr 2015 getätigt wurde, was zu dem bemerkenswerten Umstand führte, dass heutige britische Steuerzahler dafür aufkamen, Sklavenhaltern den Verlust ihres unrechtmäßigen Besitzes an Menschen zu erstatten.«
Sven Beckert: Kapitalismus: Geschichte einer Weltrevolution. Hamburg 2025