Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Gewaltbereite Männer

Veröffentlicht am 19.06.2023

Für Frau Wagenknecht

Ausnahmsweise stimmt ein Freund mit der FAZ überein, die sich dieser Umfrage zur Gewaltbereitschaft junger Männer angenommen hat. (Wie eine Umfrage verzerrt: Junge Männer sind gefährlich! FAZ v. 13.6.) Und sie macht sich Mühe mit der Umfrage, die sie sich sonst (Corona, Nord-Stream usw.) nicht macht.

Dabei war die Umfrage doch gut gemeint! Schließlich müssen die deutschen Männer wieder "wehrhaft" werden, wofür macht denn Bundeswehr und Polizei Werbung? Für Softies, Warmduscher und Frauenversteher?

Wenn ich mich richtig erinnere, d.h. an meine feministische Literaturphase mit Gerda Lerner, entwickelten die Männer ihre Sklavenhaltertechniken zuerst an den Frauen, als das Patriarchat in seiner ersten Form entstand?!

Insofern handelt es sich bei diesen gewaltbereiten jungen Männer, auch wenn diese eher hypothetisch sind, um potentielle Krieger! Nun wissen wir zwar, dass die größten Feiglinge ihre Frauen schlagen, aber das war wohl nicht gemeint. (Und im Krieg müssen sie noch viel schlimmere "Dinge" machen; zurück kommt dann z.B. ein Fritz Haarmann, der nur die Zeiten verwechselte, nicht das Geschäft; aber das ist eine andere Geschichte, geschrieben von Theodor Lessing.). Gemeint war vielleicht, dass es Gewaltbereitschaft gibt, aber - die geht (noch) in die falsche Richtung. - Mit dem "Denken" ist es so eine Sache, nehmen wir z.B. Frau Strack-Zimmermann, die natürlich keine Rüstungslobbyistin ist, zufällig Vorsitzende des entsprechenden Ausschusses, und die Rüstungsindustrie profitiert* keineswegs vom Krieg gegen Russland, sondern produziert nur ganz selbstlos unsere Sicherheit. Wenn man so denkt und nicht ausgelacht wird, dann ist es mit dem Denken der "Follower" (Wähler) nicht weit her. - Wie kommt das?

 

Das sind wir wieder bei meinem Buch, das so gut in diese große Zeit bzw. Zeitenwende passt (Wobei die Wende aufpassen muss, das sie nicht das W verliert, da gibt es hier schon Erfahrungen): "Die letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus.Aber davor noch ein Umweg über ein Anti-Kriegsbuch zum 1. Weltkrieg: Henri Barbusse: Das Feuer. Nur für Leute, denen es an Phantasie mangelt und das sind zu viele! Darin taucht mitten drin in der französischen Armee ein Name auf, der für Hoffnung steht: Liebknecht.Der schrieb in seinem berühmten Flugblatt:

 

"Wir haben erlebt, daß beim Kriegsausbruch die Massen von den herrschenden Klassen mit lockenden Melodien für den kapitalistischen Kriegszweck eingefangen wurden. Wir haben
erlebt, wie die schillernden Seifenblasen der Demagogie zerplatzten, die Narrenträume des August verflogen, wie statt des Glücks Elend und Jammer über das Volk kamen; wie die Tränen der Kriegswitwen und Kriegswaisen zu Strömen anschwollen, wie die Erhaltung der Dreiklassenschmach, die verstockte Heiligsprechung der Viereinigkeit: Halbabsolutismus — Junkerherrschaft — Militarismus — Polizeiwillkür zur bitteren Wahrheit wurde.

Durch die Erfahrung sind wir gewarnt — alles lernen, nichts vergessen!"

 

Wenn man "Halbabsolutismus" durch "bürgerliche Demokratie" und die Junkerherrschaft durch die Herrschaft der großen Konzerne (Google, Pfizer, BlackRock und jetzt kommt Rheinmetall dran) ersetzt, haben wir eine schöne Aktualisierung, weitere könnten einem einfallen...

 

Aber zurück zu Kraus:"Dass der Krieg im Kopf beginnt - Kraus hat den Beweis angetreten und gezeigt, dass ein mit Phrasen angefüllter Kopf immer schon Krieg produziert. (...) In der Obszönität des falschen Sentiments etwa entlarvt er ein Denken, das tiefergehend in die Persönlichkeit wirkt als jede Form der Militarisierung . Wenn 'die Schalek' etwa unablässig Frontsoldaten mit den Sätzen 'Was haben Sie dabei empfunden?' konfrontiert, dann wirkt diese journalistische Erwartungshaltung tief in die Psyche hinein. Mit einmal ist der Tod eines Gegners nicht einfach ein platter Tod, sondern eine Begebenheit, die im Sinne des Dienstes am Vaterland von Freude und Stolz begleitet sein muss. 'Man hat Macht über alles. Es hat etwas Majestätisches' ist denn auch die Phrase, die der Fregattenleutnant der Schalek erwidert. Die Ungeheuerlichkeit des Empfindenmüssens, die Zumutung, das Unerträgliche in sich umzucodieren - diese scheinbar nichtigen Prozesse führen zu jener 'Militarisierung', die keine Kriegserklärung und keinen Waffenstillstand erfordern. Sie finden immer statt, damals wie heute. Insofern war der Krieg für Kraus nur die Weiterführung des Journalismus mit anderen Mitteln, wie umgekehrt der Journalismus die Weiterführung des Krieges mit Druckerschwärze - eben der 'schwarzen Magie' - war."

Das stammt von Meinhard Rauchensteiner: Schöne Tage im Schützengraben. Vorwort in: Deborah Sengl: Die letzten Tage der Menschheit. Edition Sammlung Essl (30. Januar 2014). So eine Ausstellung wäre doch mal wieder was!

 

 

* Voltaire: Dans toutes les guerres il ne s'agit que de voler. In der Ukraine wird der Kuchen gerade verteilt, wobei der Bär noch ganz munter ist. Nun, im Notfall hat Herr S. ein zweites Standbein in Hollywood, und Herr M. kann bei Biden jr. als Pressesprecher anfangen.

 

 

Cookie-Regelung

Diese Website verwendet Cookies, zum Speichern von Informationen auf Ihrem Computer.

Stimmen Sie dem zu?