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Der Teufel trägt

„Im ästhetischen Erlebnis wird auf spezifische Weise – positive oder negative – soziale Erfahrung bewußt gemacht und damit wei­tervermittelt, wenn man so will, ‚umverteilt‘.“ Ästhetik heute. Ltg. des AK: Erwin Pracht. Berlin (DDR) 1978


Der Teufel trägt Prada (2). Ist das nicht schon etwas gotteslästerlich, weil doch die wahre Schönheit (und das Gute, Wahre, Freundliche usw.) im Himmel zu Hause sein müsste? Nur, wer glaubt das – noch?


Dass es mit dem von Menschen bzw. der entsprechenden (Kultur-)Industrie gemachten Schönen nicht mit rechten Dingen zugeht, wer ahnt das nicht? Und vor allem, das alles (das Schöne) ist nicht für die Engel, sondern für die Bösen, die Reichen und sich für schön haltenden, das sie natürlich nicht sind, höchstens in ihren Augen und der ihrer Medien. – Also wie im Märchen, nur dass hier der Spiegel nicht neutral ist, und auch die andere sieht, sondern die Medien sehen nur das, was die sie Besitzenden wollen.


Der dickste Hund kommt freilich zum Schluss: die gute Superreiche. Das ist wie der gute Mafiosi, der gute Serienkiller, die gute Bank usw. usf. Das zeigt nur, dass es offensichtlich für guten (Mode- und andern) Journalismus in dieser Gesellschaft keinen Platz mehr gibt und wohl auch keine Leser. Also auch keine Mittelschicht mehr. Wer kann sich eine Handtasche für 3000 € leisten? Eine Lehrerin? Eine Beamtin im höheren Dienst? Vielleicht ein Bernd Riexinger, ehemals Gewerkschaftssekretär, Bundestagsabgeordneter, Parteivorsitzender und jetzt mit Rosa Luxemburg liiert. (Eine Heirat, bei der man die Braut nicht gefragt hat!).


Nun, die kleinen Ladenmädchen, die jetzt älter geworden sind, aber immer noch die gleichen Träume haben, leiden mit unserer Heldin. Und hoffen mit. Und zittern mit. Vieles kennen sie aus ihrer eigenen Firma, McKinsey&Co., entlassene Kolleginnen, vertane Chancen, ständig auf der Hut sein, und immer Sorgen. Von Gewerkschaften, Klassenkampf und Sozialismus keine Rede. Ihre Schönheit muss warten, warten darauf, dass sie sich mit Geist verbindet, der die Revolte befeuert. Guter Journalismus ist in dieser Gesellschaft nicht mehr zu erwarten, vielleicht am Rand, aber schlecht bezahlt und sorgenvoll. Glamour ist entweder Lüge oder eine Utopie. Im Gegensatz zu dem grünen und schwarz-braunen Mist, der uns täglich serviert wird: eine zukünftige, sozialistische Gesellschaft wird eine schöne sein, mit genügend ja mit Überfluss und trotzdem im Einklang mit der Natur, für viele, mit vielen.

»In dem sich selbst als ›links‹ bezeichnenden Milieu der ›westlichen Welt‹ herrscht theorieabstinente Prinzipienlosigkeit und ein konformistisches Abhängigkeits- und Anpassungsverhältnis gegenüber dem bürgerlichen Staat.« Hoff, Jan: Emanzipatorisches Denken auf sechs Kontinenten. Ein Überblick über die Marx-Rezeption der Gegenwart. 1. Band. Verlag: BoD, Hamburg 2026