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Kino Urlaub

Hiddensee

Regie: Annekatrin Hendel, BRD 2026, 119 Min.

Diese Kulturfilme haben so etwa den Effekt, dass wenn Sie vorher zu einer bestimmten Sache eine halbwegs vernünftige Meinung hatten, oder auch, besser noch, keine, diese dann in wohltuenden – wem wohl? – Nebel gehüllt wird.

Der bekannte Roman über Hiddensee am Ende der DDR kam nicht vor, habe ihn vor ein paar Jahren gelesen, der Titel ist mir entfallen, zur Vorbereitung eines Kurzurlaubs auf dieser Insel. (Dann sieht man im Kino, was man vorher im Original sah. Eine Freude;- eine Freude?!)

Das Beste kommt in dem Dokumentarfilm gar nicht zur Sprache: Es gibt auf Hiddensee keine Autos, außer den funktionalen, z.B. Müllabfuhr, die man dann leider morgens hört. Aber ansonsten herrscht dort nachts eine himmlische Ruhe. Unsere wurde auch nicht durch irgendwelche Kirchenglocken gestört, die einem sonst auf Land- und Dorfgasthöfen, aber auch in Großstädten wenn man Pech hat, den Schlaf rauben. Dafür kommt der Pastor der Inselgemeinde ausführlich zu Wort, wie auch, um einen etwas albernen Gegensatz aufzubauen, der Bürgermeister. „Eliten“-Kultur und Massenkultur gehören zur Kulturindustrie, sind zwei Seiten der bürgerlichen Kultur. Ja, und dieser Schriftsteller mit seinem Haus, völlig überschätzt, am Anfang interessant, aber dann, und ja, er hatte Glück, das lernt man in dem Film, dass ihm zwar irgendein Nazi 100 Flaschen Wein geschickt hat, aber er starb zu früh, als dass ihm ein Wilhelm Pieck oder sonstwer ebenfalls beglückt hätte…

Die Musik ist schwer erträglich in dem Film, überhaupt ist die Musik längst vom Inhalt der Filme „emanzipiert“, sie treibt eine dröge Story voran, die ansonsten in vielen Orten und Inseln spielen könnte. Ein paar Künstler finden sich überall und nirgends. Und wieso haben diese dort Urlaub gemacht, schätze aus dem selben Grund aus dem andere Urlaub machen; um sich zu erholen, aber nicht sich an verstorbener Kultur zu wärmen. Und gibt es eine Häufung derselben, ziehen die Klügeren die Flucht vor!

Die Schnitte im Film sind häufig nicht nachzuvollziehen, eher freie Assoziationsmasse, Schläge auf den Hinterkopf, ohne dass diese einen Gedanken befördern würde. Wie in anderen, staatlich geförderten Filmen, geht es nicht mehr um Erkenntnis, oder nur selten und andeutungsweise, z.B. in einem Film über Ernährung, den ich unlängst sah, sondern mehr um Eindrücke, die aber keine hinterlassen.

Vieles wird angerissen, nichts wirklich erzählt, dazu ist der Film viel zu schnell, springt vor und zurück, so dass man dank der Grautöne oft nicht weiß, wann man gerade ist.

Hiddensee wird völlig überschätzt, die Ruhe ist schön, auch wenn der Tourismus diese nicht unbedingt fördert. Und der Bürgermeister ist geschäftstüchtig, wer wollte es ihm verwehren, und die, die ihn gewählt haben, wollen wohl auch ein bisschen was davon haben. Die Kirche hat schon genug, ihr gilt es dieses zu bewahren (und zu mehren).

Für alle, die noch nicht dort waren, man kann da mal ein paar Tage spazieren, schwimmen, die Insel-“Kultur“ konsumieren, nun ja, muss aber nicht sein, es gibt andere Orte zu entdecken. Und wenn man Glück hat, war noch kein Gerhart Hauptmann da.

PS: „und entscheidende Teile des deutschen Großkapitals konnten in den Bahnen der bisherigen Methoden, d.h. im Kampf mit rein wirtschaftlichen Mitteln, keine Zukunft mehr für sich erblicken.“ A. Sohn-Rethel