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Oper

»Die schweigsame Frau« von Richard Strauss

Staatsoper Unter den Linden (29.5.26) Musikalische Leitung: Christian Thielemann

»Die schweigsame Frau« singt in der Staatsoper Unter den Linden vor gut gefüllten Reihen. Auch wenn die Uraufführung mit Billigung des »Führers« 1935 in Dresden stattfand, fiel das Werk dann doch der Zensur anheim, schließlich stammt das Libretto von Stefan Zweig. Sein Name wurde bei der Uraufführung, dank der Kontakte von Strauss zu Hitler, aber nicht verschwiegen!

Nun hat die Komödie ihre eigene Dialektik, diese im Besonderen. Erinnerung wir uns an die klassische Verkehrung der Verhältnisse: im Karneval, Fasching oder wie immer da lokal benannt und unterschieden wird. Dient die Verkehrung der Verhältnisse nicht deren Zementierung, wenn zwischendurch mal Dampf abgelassen werden darf, oder scheinen hier Verhältnisse hervor, die andere und bessere sein könnten? (In ferner Zukunft). Ermöglicht doch die Komödie das Vortäuschen und Austricksen patriarchalischer Gewaltverhältnisse (Frauenbild und Züchtigung), denn hier schlägt niemand niemand, es sei denn in höherem Sinne den Verhältnissen ein Schnippchen.

Doch zuvor, auch wenn das Bühnenbild uns moderne Verhältnisse vorspiegelt und also einen Anachronismus produziert, der alternde reiche Mann hat in den Verhältnissen des Handelskapitalismus, im Dienste der britischen staatlichen Piraterie und Kriegsführung sein Vermögen gemacht bzw. ins Phantastische erweitert. Das sollte man nicht vergessen, wenn es darum geht, diesem dieses abzunehmen bzw. nach dessen Tod zu übernehmen. (siehe: Edward W. Said: Kultur und Imperialismus. Einbildungskraft und Politik im Zeitalter der Macht. S. Fischer 1994).

Max Horkheimer schrieb um die gleiche Zeit: „Das Wirtshaus und Volksfest der Vergangenheit sowie die sportlichen und politischen Massendarbietungen in der Gegenwart, die Pflege des gemütvollen Familienlebens sowie die modernen Vergnügungsindustrien, der heitere und der ernste Teil der Rundfunksendung, alles zielt bewußt auf zufriedene Stimmung ab. Nichts macht einen Menschen verdächtiger, als wenn es an innerem Einklang mit dem Leben fehlt, wie es nun einmal ist.“ Max Horkheimer: Egoismus und Freiheitsbewegung. Zur Anthropologie des bürgerlichen Zeitalters (1936). Bereitet es Schwierigkeiten, diese Komödie zum Betrieb zu addieren, auch wenn die Musik modern war/ist und von den üblichen Besuchern der Wirtshäuser und den Konsumenten der Massenkultur nicht goutiert werden wird?

Die Theatertruppe trifft auf einen reichen Mann, macht ihren gut geplanten Spaß mit diesem, dieser wird von seinem Lebensüberdruss kuriert, und wird in Zukunft (wir sind im Jahr 1935) fröhlich mitmachen. War der Lärm der Welt ihm verhasst, wenn auch »nur« als Folge eines Kriegstraumas, so wird er nun seinen Teil dazu beitragen. Der Mann ist geheilt: Vergnügtsein heißt Einverstandensein, kann man in der Frankfurter Schule lernen, die leider geschlossen wurde.

Die Musik ist glänzend gespielt, gut gesungen, das Bühnenbild wurde in unsere Zeit gebracht und damit um die seine.

Freilich, der Pausenservice… Die Dame meinte, das wäre doch mal eine FAZ-Glosse wert, leider vernachlässigt diese ihr Kerngebiet stark, wohl eine Folge des Kriegseintritts der Zeitung. Und wenn man an mindestens zwei Fronten (mit-)kämpft, ist natürlich keine Zeit für Pausenverpflegung, die ohnehin nur was für Warmduscher ist, und denen hatte schon Herr Habeck im letzten Krieg gegen eine Virensorte (hier um Himmelswillen kein Vergleich!) den Kampf angesagt.

Im Apollosaal der Staatsoper gibt es in weiter Entfernung zwei Schalter für Getränke und Pausenbestellung. Diese hatten wir vorher elektronisch aufgegeben und wurden zum Schalter gebeten. Wir stellten uns an den linken an. Es kam heraus, dass der rechte für uns zuständig war. Also nochmals. Es wurde uns freilich versichert, in der Email sollte die richtige Theke angegeben sein. Nun ja! Aber es klappte dann doch noch zu unserer großen Zufriedenheit. Service gehört eher der Vergangenheit an, was alle Bahnfahrer und Krankenhauspatienten leidvoll bestätigen werden.

Wenn wir aus der Vergangenheit etwas lernen, dann wird unsere Opernzukunft wohl so aussehen:

„Die ‚vaterländische Erhebung‘ manifestierte sich zunächst in Schauspielen wie Die Waffen her, Alles mobil, Nun aber wollen wir sie dreschen und ähnlichen patriotischen Stücken, deren Autoren heute meist gründlich vergessen sind. (…) Als Terminus für solche Stücke bürgerte sich schnell das Wort vom ‚Kriegsschund‘ ein. Auch die Operetten-Autoren versuchten mit Werken wie Immer feste druff (Walter Kollo, der Untertitel lautete: ‚ein vaterländisches Volksstück in vier Bildern‘), Gold gab ich für Eisen (Kálmán), Die wehrpflichtige Braut (Werther), Das Weib des Reservisten (Buchbinder) oder Seemannsliebchen (Fall) dem Zug der Zeit zu folgen. Der patriotische Überschwang hielt jedoch nur bis Ende 1914 an.“ Michael Walter: Hitler in der Oper. Deutsches Musikleben 1919-1945. Metzler 1995

Mal sehen, wie lange der Rausch diesmal anhält.


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