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Hotel Urlaub

Via Salina

Oder: Wer spielt die Musik?

Das Hotel Via Salina liegt direkt am Haldensee in Österreich, ein deutlicher Vorteil gegenüber den anderen Hotels rund um den See. Freilich sollte man die Eisentreppchen, die ins Wasser führen mit Vorsicht benutzen, sie schienen mir beim ersten Anblick etwas schief und nicht ganz vertrauenerweckend. Deswegen wählten wir den Einstieg links davon, zwischen Steg und öffentlichem Strandbad, das in einem Wiesenstreifen besteht – auch mit einem Steg ausgestattet. Freilich waren meine Füße für den Weg über die Steine nicht ganz vorbereitet, zuerst die Mühe ins Wasser, dann danach unter Wasser. Der Mittelweg zwischen den beiden Stegen erwies sich einmal mehr als noch mühseliger und etwas schmerzhaft. Beim Anschwimmen an unseren Steg sollte man die Befestigungsstangen unter Wasser beachten, sonst bleibt man hier leicht hängen oder stößt dagegen. Es ist halt so, dass unter der Oberfläche weniger Aufmerksamkeit verschwendet wird als darüber, überall ist das so. Häufig lebt der gute Ruf davon, dass man nicht dahinter resp. darunter sieht.

Hier im Hotel Salina gab es freilich nichts Unterirdisches zu entdecken. Trotzdem sollte man vorher sich nach der See-Temperatur erkundigen, ein paar Wochen vorher sollen es 12 Grad gewesen sein, und das wäre nichts gewesen! Wir hatten erfrischende 22-23 Grad! Danach kann man immer noch im Pool bei über 30 Grad simmern. Man kommt direkt vom Hotel an den See, im Bademantel, das ist ein großer Luxus.

Ein Hotel, das keine Kinder will, ist keineswegs zu verurteilen, es sei denn, dass dieser durch einen anderen Nachteil wettgemacht wird: hier sind Hunde willkommen, durften sogar in bestimmten Bereichen, zumindest in unserem, ihre Herr- und Frauchen ins Restaurant geleiten. Unklar was nun besser ist, schlimmer sicher beides! (Hier hatte Stalin ausnahmsweise recht, als er auf die Frage, was schlimmer sei, die Rechts- oder Linksabweichung, beide, antwortete. Tatsächlich hätte er, wäre er ehrlich gewesen, sagen müssen: ich.)

Beim Frühstück und abends leise Musik, abends, zum italienischen Abend mit Buffet, eher lauter. Das Buffet am italienischen Abend war gut, da zeigte sich die Stärke, wenn es gut vorbereitet ist, und seine selektive Attraktivität zu keinen Menschenansammlungen führt, wie man es sogar aus Gourmet-Treffs hören konnte. (Da flüchtet man zurecht an die nächste Bar zum Club-Sandwich. Aber die Geschichte will ein anderer erzählen.) Verstörend bei uns war weniger, dass wir, nachdem der uns zugeteilte Tisch im Rahmen der Sonneneinstrahlung ungenießbar war, wir uns im Hundeabteil wieder fanden, aber auch da kann man Glück haben! Ähnlich wie beim Menschen ist es bei den Hunden – häufig Glücksache.

Aber worauf sollten wir unsere Teller stellen? Als Untersetzer waren alte Schallplatten gedacht, ein Kulturfrevel! Aber es kam noch schlimmer, als wir uns diese Schallplatten genauer ansahen. Was für Lieder waren darauf? Die Platte der Dame war von 1976 [und nicht von heute!] und enthielt solche Lieder wie Panzerschiff Deutschland. Wenn ich richtig gesucht habe, wurde über dieses Kriegsschiff mit dem Namen »Panzerkreuzer A« im Jahre 1928 bei der Reichstagswahl heftig gestritten. Schon damals hat die SPD das gemacht, was sie heute macht. (Also Wähler sei gewarnt, du könntest wissen, wo das endet!) Wem es nicht graust, der kann das Lied auf Youtube anhören! Man gerät aber leicht in bedenkliche Gesellschaft.

Es fand sich auch Zum Städtel hinaus, eine international bekannte Volksweise, die auch von der deutschen Marine gespielt wird, ich vermute, wenn sie mal wieder nach Russland aufbricht?

Meine Platte war da eindeutiger: Da gab es alles vom Fliegermarsch bis zum Pariser Einzugsmarsch. Der bezog sich zwar auf einen früheren Einmarsch, aber war immer wieder zu gebrauchen. Also sollten nicht nur die russischen Gäste, die es leider nicht mehr gibt, sondern auch die französischen Gäste gewarnt sein! Man könnte auch, wenn man nicht darauf essen würde, von Heinz Lahr Nachtjäger hören, oder besser sofort ins Bett gehen…

Zurück zum Hotel, am nächsten Abend gab es anderes Essen, leider litt wohl das Fleisch mit mir an der schlaflosen Nacht, oder, anderes vermutet, im Niedrig-Temperatur-Ofen, der es zu jener Konsistenz verarbeitete, die man auch in der Gourmetküche leider findet: Es wird wurstig, und könnte auch von jenen Rentnern konsumiert werden, die sich kein Gebiss mehr leisten können. (Der Regierung sein dank, die uns in diese Richtung befördert. Zum fehlenden Gebiss, da man sowieso keine Zähne mehr zusammen beißen kann, kommt dann die patriotische Musik.)

Der bauliche Stil des Hause ist tirolerisch mit dem üblichen im Holz verewigten Kitsch (Verzierungen, die aber nichts schöner machen.)
Wer mir sehr gefallen hat, war das nicht tirolerische Personal, das selbstbewusst, geistreich und, soweit man das beurteilen kann, ehrlich ist. Das ist seltener der Fall als man hoffen dürfte. Und auch wenn einer beim Frühstück fast alles selber machen muss, geht er doch gerne hin.

Wir bekamen noch ein Zimmer unterm Dach, »warm« und gemütlich, aber mit nachts geöffneter Tür auszuhalten, der See gab uns die Ruhe, die uns fehlte! Man muss schon vor der Balkonbrüstung stehen, der ins Dach geschnitten ist, will man den See sehen, sitzt man, hat man dafür den Himmel als Aussicht. Aber auch das bringt Vorteile, ist man hier mit der Garderobe ganz frei und kann sich für den Besuch im FKK-Gelände, das es hier nicht gibt, kein Verlust, schonmal die Teile anbraten lassen, dass man nicht als »Weißer« dort auftaucht.

Wir empfehlen also das Hotel in vollen Zügen mit der Blasmusik von Hans Felix Husadel, der Fliegerfanfare, der einen Heldentod (1897-1964) am Dirigentenpult sterben durfte. (Also anders als einige seiner freiwilligen und unfreiwilligen Hörer.)

Doch, doch, wir fahren wieder hin, da habe ich mich sicher verhört?!

PS: »Adam Tooze (…) stellt in seiner Chronik der 2007/08 ausgebrochenen Krise fest, dass die sich im Verlauf vollziehende Konsolidierung eines autoritären Nationalismus so wirke, als würde sich ›lehrbuchmäßig‹ der Aufstieg des Nationalsozialismus nach der Großen Depression von 1929 wiederholen. Wie zu zeigen sein wird, hält der coup d’ état Louis Napoleon weiteren Stoff für das Lehrbuch bereit.« Graßmann, Timm: Der Eklat aller Widersprüche. Marx’ Theorie und Studien der wiederkehrenden Wirtschaftskrisen. Berlin/Boston 2024

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