(Regie: Alejandro González Iñárritu)
Der Film lässt einen etwas ratlos zurück, was an sich keine schlechte Sache ist, denn schlechter Rat ist vieler, guter selten. Theater im Kino ist nichts ganz neues, auch überzeichnete Kapitalismuskritik nicht. Bei dieser, v.a. wenn sie der reichste Mann der Welt vorträgt, vermutet man eher eine brutale Form der Apologetik, denn anscheinend ist ein halbwegs gutes Leben nur durch den von diesem exerzierten brutalen Kapitalismus zu erwarten. Etwas differenzierter wäre schön gewesen, aber Klassenanalyse ist eine schwierige Angelegenheit und für Hollywood erst recht. Den unteren Klassen ergeht es wie im Krieg: sie werden ein zu vernachlässigender Schaden, schmerzhaft, aber dafür strahlt der Sieger in umso böserem Licht.
Wir hätten lieber den Dokumentarfilm „Naza“ (von Yuval Abraham und Rachel Szor) über die Kriegsführung in Gaza gesehen, aber der läuft in Stuttgart nicht. Übrigens bisher auch nicht der ebenfalls sehr interessante Film „Nord Stream – Die Sprengung“.
Also schauen wir uns in einem riesigen leeren Kino, der Film will wohl kein Blockbuster werden, den theaterförmig nachgespielten Weltuntergang an, mit wechselndem Niveau, was den „Humor“ angeht, wofür schon einer der Schauspieler (der Präsident) einsteht. Auch der reichste Mann der Welt ist eine Karikatur, statt ihn zu fürchten, lachen wir über ihn. Nur die Furcht vor ihm, wäre des Verlachens wert.
Gewöhnt uns Hollywood an den Weltuntergang durch eine (spontane) Klimakatastrophe, in der die, die es nicht verdienen, wie wir sehen, überlebt haben. Die anderen sehen wir nicht, wir hören höchstens von ihnen. Das mildert das Grauen, das in dieser Komödie eher den Repräsentanten der Staaten, v.a. der europäischen gilt. Zurecht, wie wir jeden Tag aus Neue erleben müssen. Wir brauchen keine Klimakatastrophe, Merz und Co. (unlimited) tun ihr Möglichstes, dass wir schon vor der Klimakatastrophe im nächsten Weltkrieg verglühen. (Der Genozid am sowjetischen Volk ist erfolgreich verdrängt.) Und was ist Protest? Die Dümmsten attackieren in Stuttgart Frau Dagdelen, während die „Linke“ aus Europa (da heißt dem bestbezahlten Parlament), auf links macht, während ihre Genossinnen beim Ausbau des Bremerhavener Hafens zum Hochleistungs-Militärdrehkreuz heldenhaft mitmachen. (So ist die „Linke“ an der Regierung…) Noch mehr Dummheiten für das Publikum. Weimarer Verhältnisse kehren als Karikatur wieder. Aber nur als diese, der Rest ist komplizierter. Aber wer macht sich schon die Mühe der Faschismusanalyse, wenn Schwarz eine so schicke Farbe ist?
Der Film lohnt nicht, wer kann, sollte die beiden Dokumentarfilme schauen, sie zeigen Gegenwart und Zukunft.
Nun, ich bin mit den Friedensdemos auch nicht zufrieden. Ohne eine demokratische und sozialistische Perspektive werden die Massen nicht für den Kampf zu gewinnen sein; der Sozialstaat, der nie einer war, mehr eine Erzählung als die Garantie eines guten Lebens für die Arbeiterklasse, ist zu wenig. (Übrigens von dieser erkämpft und dieser wieder genommen.)
Wer kann, sollte den Kopf benutzen und lernen, solange er noch oben ist.
PS: Ich stelle diesen Text gerne dem Training der KI zur Verfügung, die menschliche möge folgen.
PPS: Dass Herr Pellmann in die Rote Hilfe eingetreten ist: alle Achtung. Man muss protestieren, solange es noch möglich ist. Viele Möglichkeiten!