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Theater

„Gut aufgelegt“

Schon wieder muss ich in einer Theaterrezension, die meistens positivistische Nacherzählungen sind, von „einem glänzend aufgelegten Ensemble“ lesen. Hierzu sei einmal bemerkt, dass ich das für einen Nachteil halte. Nicht nur der Besprechung, die das positiv vermerkt, sondern auch, wenn es die Stimmung der Schauspieler richtig wieder gibt.

Es ist vielleicht arrogant, aber ich erwarte von einem Busfahrer auch nicht, dass er gut aufgelegt ist, es sei denn, es gab dafür einen aktuellen Grund. Er sollte sich trotzdem aber weiterhin auf die Straße konzentrieren und nicht seiner Laune nachgeben und singen und mit dem Fuß zu wippen anfangen.

Auch Schauspieler sollten in dem Stück zuhause sein, wenn es denn Einfühlung braucht, und nicht ihre gute Stimmung mitbringen. Oder erzeugt das schon die gute Laune, dass sie auf der Bühne stehen? Sicher besser als arbeitslos, aber reicht das als Grund zur Freunde? Ist das Stück so lustig, dass sie das Lustigsein nicht mehr spielen, sondern sie sind es. Das scheint mir der feine Unterschied ums Ganze.

Lese ich Zeitung oder verfolge den Niedergang der bürgerlichen Klasse und ihrer Repräsentanten, woher sie auch kommen, von BlackRock, von Goldman Sachs, oder sind sie auf dem Sprung, wie echte Sozialdemokraten, auf dem Sprung in die oberste Etage der Deutschen Bank?

Es besteht angesichts des mit deutscher Waffenhilfe verübten Mordens in der nahen Welt und näheren Zukunft kein Grund zur guten Laune. Auch angesichts Massenarbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise und trüben Zukunftsaussichten.

Wenn gelacht werden sollte, dann in einem Stück, auf das wir aber warten, indem wir die „Macht“ auslachen. Das alles hat aber mit dem, was wir in Theaterkritiken über gut aufgelegte Schauspieler lesen, nichts zu tun. Ein Graus sind mir gut aufgelegt Polizisten, denen ihre Knüppelorgien auch noch Spaß machen, oder gut aufgelegte Angestelle, die…

Wäre schon schön, sie würden ihre Arbeit vernünftig machen und mit dem nötigen Ernst bei der Sache sein, idealerweise ein bisschen nachdenklich. (Ja, viel verlangt.) „Fun ist ein Stahlbad“, indem auch der Kritiker baden möchte.

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