Kategorien
Kapitalismuskritik

Vom „nd“ zum „Argument“

Morgenlektüre

Im woken „nd“ wachsen mit den Zweifeln an der eingeschlagenen politischen Richtung auch die um die Zukunft der Zeitung(en). Da die „Linke“ (Partei) diese nicht ganz gut behandelt, sonst hätte das nd keine finanziellen Sorgen, muss man sich (andere) Gedanken machen. (Umgekehrt zahlt auch die jW einen Preis dafür, dass sie aus ihrer Vergangenheit nicht heraus kommt. Von gelegentlich hoffnungsvollen Ausbrüchen & Ausnahmen abgesehen. Ihr kommt entgegen, dass die Vergangenheit uns nicht loslassen will, i.G. wiederkehrt.)

Da kommt nun Herr Bartal (nd vom 17.8.) – nicht zu verwechseln mit Herrn Barthel, auch wenn beide wissen, wo man den Most holen sollte – der es größer will; er will gleich den linken Journalismus retten. Dazu empfiehlt er eine Zusammenarbeit bzw. Fusion der linken Zeitungen, zumindest derer, die nicht dogmatisch* sind. (Das * hat hier nicht die Bedeutung einer Fußnote, sondern ist ein etwas komplizierterer Hinweis.)

Zwei Fehler macht Herr Bartal: 1. Diese linken Zeitungen (ich ergänze: Zeitschriften) schreiben nicht, wie der Schreiber dieser Zeilen auch, für ein Publikum, sondern in erster Linie für sich selber. Schreiben macht Spaß und verleiht Bedeutung! Für andere, wie z.B. im „Argument“ hat es dazu noch existenzielle Bedeutung: Publikationszwang. Würde man die linken Zeitungen/Zeitschriften „marktbereinigen“, würden auch entsprechend viele Autoren „bereinigt“. Das will keiner! Natürlich auch keine. Und da sich im „Argument“ die Herrenredaktion nicht mit der Frauenredaktion einigen konnte (siehe Argument 345 irgendwo am Anfang) und jetzt dieses Heft die eine bekommt, die andere das nächste, also ähnlich wie bisher, wie sehe so etwas bei den linken Zeitschriften aus? Ein Hauen und Stechen, das man sich nicht ausmalen möchte. Und da diese Zeitschriften zu einem guten Teil von ihren Autoren leben, würde mit einer Fusion auch diese Geldquelle versiegen, ob sie die Leserschaft ausgleicht, steht dahin.

2. Wer sagt, dass hier dieser ominöse Synergieeffekt eintritt, als es dann statt gleich viel, dann wäre alles umsonst, mehr Leser und Leserinnen gibt? Wer glaubt, was ich nicht tue, dass sich Qualität von alleine durchsetzt, und das glaubt hier doch keiner!, muss zur alten Erkenntnis gelangen, dass eine linke Zeitschrift ohne entsprechende Partei und Bewegung nicht und nichts ist. Umgekehrt wird kein Schuh daraus, sondern eine Luftnummer, oder bestenfalls das Prinzip Hoffnung.

Wer wollte entscheiden, welche Autoren in die neue Zeitschrift übernommen werden; führen wir das liken (Schreibt man das groß?) ein? Oder unten den Spendenknopf? Und wie wäre die Richtung: * oder nicht?

Wir wissen aus der Geschichte, dass sich das Gute und Richtige leider nicht durchsetzen oder eher selten. So empfehle ich im Gegenteil weiter auf die natürliche Auslese (wer hat Geld…; Karl Kraus hat seine Fackel selber finanziert.) zu starren und auf einen Aufschwung der Bewegung zu hoffen.

Ich lese nun das neue „Argument“ (345) , d.h. gerade Herrn Meisners Beitrag. Als neuer Chef steht ihm der erste Beitrag zu, der auch übergreifend ist. Da steht viel Richtiges drin, aber bei der Lektüre habe ich beschlossen, nachher zum Optiker zu gehen und mir eine Lupe zu kaufen. (So wie man die Ausgabe der jW nicht mehr ohne dieselbe lesen kann, wobei sie mir hier in Stuttgart kleiner erscheint als in Berlin, aber dort ist man auch der Wahrheit näher).

Wie schon wieder, wird hier zu viel untergemischt (z.B. Ultraimperialismus von Kautksy), was keiner Speise gut tut, und immer findet jemand etwas, das fehlt (Politische Ökonomie, d.h. Akkumulationstheorie; ich las gerade Sohn-Rethel dazu, S. 27), oder eine unpassende Fußnote („Paleo-Ideologie“).

Auch die Eule der Minerva, die er gleich zu Beginn aufscheucht, fliegt schon länger als es der Autor glauben möchte, aber wer auf „unübersichtlichem Terrain“ kämpft, darf nichts unversucht lassen und keine Waffe (Worte, Begriffe) links(!) liegen lassen.

Übrigens hat Meisner zwischen seinen Texten Dietmar Dath eingeschoben, der leider erfolglose Unterwanderung im FAZ-Feuilleton versucht, worum ihn jeder echte Linke beneidet. Es geht dort um falsch verstandene Umgebungen, die sich eine richtige Struktur suchen, oder habe ich das falsch verstanden?

Und wie jeder heutige gute Soziologe ein Buch um ein neu definiertes (nicht erfundenes, das ist schon höhere Schule) Wort schreibt, so schafft das locker unser neuer Meister: „Asozialimperialismus“. Peng, das sitzt, praxisphilosophisch ins Schwarze getroffen.

Es gäbe noch Kleinigkeiten zu klären, warum er Kollontai 1918 zitiert zum Zusammenhang: Kapitalismus – Krieg – Feind, wo es doch auch andere gab, die das trefflich auf den Punkt gebracht haben? Wer war noch mal schnell Karl Liebknecht?

Aber, wie gesagt, ich bin mit dem meisten zufrieden, was Herr Meisner schreibt, auch wenn ich kein Fahrradfahrer bin. Nur, möchte ich vorläufig nicht mit dem „Argument“ fusionieren. Das Gedrängel ist nichts für einen alten Mann, der sich freut, wenn man ihm einen Sitzplatz in der U-Bahn anbietet. (Den er dann aber empört ablehnt!)

PS: Was lese ich in der Einleitung des Buches mit den Texten von Sohn-Rethel: „daß die ökonomisch zwingend gewordene Krisenlösungsstrategie des deutschen Kapitals den Zwang zur terroristischen Diktatur des Faschismus setzt…“ Sohn-Rethel, Alfred: Ökonomie und Klassenstruktur des deutschen Faschismus. Herausgeg. und eingel. von Johannes Agnoli, Bernhard Blanke, Niels Kadritzke. Suhrkamp Verlag 1973. Eule! Eule! Wo fliegst du hin?

PPS: Wird, wenn gewünscht, fortgesetzt, ich bin erst auf S. 33, muss aber jetzt zum Optiker!

###

Rechtschreib- und Grammatikfehler sind der Hinweis darauf, dass diesen Text eine KI geschrieben hat, die aber so tut, als wäre sie ein schwächlicher Mensch. Die falschen Zitate [Hans Buchhalter!] habe ich gelöscht!